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Stéphanie Kalfon: "Die Regenschirme des Erik Satie" 

 

Roman, 193 Seiten, gebunden, Freies Geistesleben, CHF 32.90, ISBN 978-3-7725-3004-3

Was ist der Mensch? Ein armes Wesen, auf diese Welt gekommen, um die anderen Menschen zu ärgern. (Erik Satie)

 

Die Autorin:
Französin, 37 Jahre jung, laut Klappentext Regisseurin und Drehbuchautorin. Sucht man im Netz nach ihren Arbeiten, finden sich hauptsächlich TV-Serien. Die Regenschirme ist ihr literarisches Debut.

 

Der Protagonist:
Erik Satie (1866 – 1925) war Komponist vor allem, Musiker, aber auch Klavierspieler, Begleiter der Sänger und Sängerinnen in den Pariser Cabarets der Belle Epoque.
Satie war aber auch ein klarsichtiger, oft maliziöser Beobachter seiner Zeit und seiner Zeitgenossen. Ein zu Wutausbrüchen neigender Hungerleider auch.
Bekannt ist er allen Pianoeleven durch die Gymnopédies. Liebhabern zeitgenössischer Musik als Wegbereiter von John Cage, Steve Reich, etc....

Die Geschichte:
Stéphanie Kalfon hat sich nicht wenig vorgenommen: Saties Lebenspartitur habe sie schreiben wollen, sagt sie. Mit andern Worten: Die Inspirationen zu seinen Kompositionen, sein Innenleben über Sprache sinnlich erlebbar machen. Ist ihr das gelungen?
Eigenen Text, im Duktus von intimer Fragilität, mixt sie stilistisch gekonnt mit Zitaten aus Saties überbordender Sammlung vollgeschriebener Notizzettel. Lässt den einen fliessend, in die anderen übergleiten, oft nicht mehr voneinander unterscheidbar und malt so ein mehrschichtiges Bild eines «Vor seiner Zeit Geborenen», gegen alle Regeln – nicht nur kompositorische – Rebellierenden, eines zerbrechlichen Getriebenen. Kurz, eines Unverstandenen, der sich in seinen eigenen Kokon und den Alkohol zu retten versucht und letztlich in seiner letzten armseligen Behausung, in einem Rattenloch verreckt.  
So souverän, wie sie Textsorten verflicht, so frei umkreist sie zeitlich und inhaltlich dieses Leben, puzzelt aus historischen und biografischen Fakten, aus textgewobenen Seelenzuständen ein vielschichtiges, widersprüchliches Leben zwischen Traum und Scheitern, Scheitern an der sogenannten Realität, an den eigenen Ansprüchen.
Als Lesender ist er Seite für Seite zu zunehmend körperlich spürbar lebendig geworden, zu Kalfons Satie.
Die Lust wuchs, mir zwischen der Lektüre seine Kompositionen anzuhören. Solche, die ich schon kannte und, das war der wirkliche Gewinn, mir unbekannte, im Buch eine Rolle spielende. So haben die Regenschirme mir unter anderem die «Parade» geschenkt. Ein Ballett, in Picassos Bühnenbild und Kostümen, getanzt vom ballet russe. Ich habe mir vorgenommen, mich wieder öfter dem Zauber seiner Melodien auszusetzen. Sage noch jemand, Literatur löse nichts aus.

 

Und wer nach der Lektüre Lust verspürt, tiefer in Saties Pariser Welt einzutauchen, dem empfehle ich die ARTE-Produktion «Die Abenteurer der modernen Kunst»

 

Copi Remund