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Hanspeter empfiehlt:

 

Fernando Aramburu mit "Patria"

 

Roman, 768 Seiten, gebunden, Rowohlt Verlag, CHF 36.90, ISBN 978-3-498-00102-5

Der Autor
Der Spanier Fernando Aramburu, geboren 1959, stammt aus Donostia nahe San Sebastian,  studierte in Saragossa spanische Philologie, lebt seit 1984 in Hannover und arbeitete zunächst als Spanischlehrer. Seit 2009 verfasst er ausschließlich Bücher sowie Beiträge für spanische Zeitungen.

 

Der Hintergrund
Aramburu schreibt über den langen Schatten der Untergrundorganisation ETA, die seit den Sechzigerjahren bis zum selbst verkündeten Ende ihrer bewaffneten Aktion 2011 die Unabhängigkeit des Baskenlands mit Gewalt erkämpfen wollte. Von 1960 bis zum Waffenstillstand 2011 sind nach offiziellen Angaben 830 Menschen durch den Terror umgekommen.

 

Die Geschichte

Der Hauptschauplatz der Geschichte ist ein kleines baskisches Dorf nahe San Sebastian, ein Dorf, in dem jeder jeden kennt, ein Dorf in dem Kirche und Behörden auf der Seite der ETA  stehen. Aber nicht alle Bewohner sind mit den brutalen Mitteln zur Erlangung der Ziele einverstanden. Eine radikale politische Situation spaltet ein Dorf, Freunde, Familien.

 

Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei Familien. Bittori und Miren waren einst befreundet, doch Bittoris Mann wurde von der ETA getötet und Mirens Sohn radikalisiert sich und tritt der ETA bei.
Die Geschichte beginnt mit der offiziellen Absage an gewalttätige Aktionen und spinnt, in den Zeiten springend, die Subjektiven ändernd, die Geschichten zweier Generationen der oben erwähnten Familien. Geschichten, jede ein Planet für sich, die sich nach und nach zu einem vielschichtigen Kosmos, der Geschichte von Schuld und Versöhnung, Verrat und Liebe verdichten.

So raffiniert das Erzählmuster, so frei atmet auch die Sprache, die mehr eine gesprochene, als eine geschriebene ist. Ständige Wechsel zwischen der ersten und dritten Person mitten im Satz, Abbrüche, Suchen nach dem richtigen Wort, etc. Klingt das jetzt abschreckend kompliziert? Ist es ganz und gar nicht. Einmal in die ersten paar Seiten eingelesen, taucht man wie selbstverständlich immer tiefer in dieses Gewebe und lebt berührende 700 Seiten lang mit diesen Figuren, die mit all ihren Widersprüchen und Unebenheiten sich durch ein Leben mühen, das auch ohne den Terror schon kein Zuckerschlecken ist.

 

Ich habe seit Langem kein so überzeugendes und bewegendes Buch mehr gelesen. Sagt Mario Vargas Llosa. Da schliesse ich mich doch gerne an.

Kleines P.S. für Serienliebhaber: HBO plant eine Serienverfilmung von Patria.