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Gianna Molinari: "Hier ist noch alles möglich" 

 

Roman, 192 Seiten, gebunden, Aufbau Verlag, CHF 27.90, ISBN 978-3-351-03739-0

Eine junge Frau, die Ich-Erzählerin, nimmt eine Stelle als Nachtwächterin in einer Cartonnage-Fabrik an und bezieht, weil’s bequemer ist, auch noch gleich einen leeren Lagerraum als Wohnstatt.
Mit ihrer akribischen Erforschung des neuen Arbeits- und Wohnplatzes begeben wir uns in eine Welt, in der uns alles vertraut, jedoch nichts mehr ist, wofür es einmal gedacht. Es gibt noch den Direktor in seinem Direktionsbüro, aber es wird nicht mehr produziert. Die Arbeiter sind schon weg, aber es gibt noch eine Kantine mit Koch. Es gibt noch den alles umgebenden und beschützenden Fabrikzaun, aber er hat Löcher, die keiner repariert.

Es gibt noch die Aufgabe, zu bewachen, aber die Hülle ist leer.

 

In diese, beim Lesen ein zunehmendes Gefühl von Unsicherheit evozierenden Welt, dringen Gefahren. Ein Wolf wurde gesehen, ein blinder Passagier fällt aus einem landenden Flugzeug, eine bei einem Banküberfall in der nächsten Kleinstadt beteiligte Frau soll unserer Erzählerin gleichen.

 

All das wird in einer nüchtern und exakt fragenden Selbstverständlichkeit erzählt, notiert, gezeichnet und fotografiert. Und gerade dieser sachliche Stil ist es, der mir beim Lesen langsam, aber unaufhaltsam den versichernden Boden meiner Alltagsrealität unter den Füssen in’s Wabern gebracht hat.

 

Sich leerende Hüllen, auflösende Inhalte bedrohen unsere mühsam zurechtgeschusterten Sicherheiten, es droht der berüchtigte «Horror vacui».  Andererseits jedoch eröffnen sie auch Räume für Neues, für Unerforschtes. Hier ist noch alles möglich.

 

Der Erstling der erst 30-jährigen ist eine Entdeckung und wär’ ein wunderbarer Text, auch wenn’s kein Erstling wäre. Die Autorin hat dafür zu Recht schon einige Preise eingeheimst.


Bei diesem Talent ist noch vieles möglich.

 

Copi Remund