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Sibylle Lewitscharoff: "Das Pfingstwunder" 

 

Roman, 349 Seiten, Taschenbuch, Suhrkamp Verlag, CHF 18.90, ISBN 978-3-518-46841-8

Dante? Was kommt ihnen zu diesem Namen den Sinn? Olivenöl? Italienischer Dichter? Die Göttliche Komödie vielleicht? Um die geht es in Sibylle Lewitscharoffs letztem Buch, um das berühmteste aber von den wenigsten gelesene Werk früher italienischer Poesie.

Gehören Sie, wie ich auch, zu dieser unbeleckten Mehrheit? Kein Grund, sich jetzt schon abzuwenden:

Eine Gruppe Dante-Gelehrter aus aller Welt trifft sich in der Villa Massimo auf dem Aventin – mit Blick auf den Petersdom – zu einem Kongress zu Dantes Hauptwerk, der «Divina Commedia».

Einer der Teilnehmenden, Professor Gottlieb Elsheimer aus Stuttgart-Sillenbuch, sitzt später, der Kongress ist bereits Vergangenheit, zuhause am Küchentisch und versucht, was sich in jenen Tagen in der Villa Massimo zugetragen hat, schriftlich festzuhalten. Wenn es der sich selbst als nüchterner Realist Bezeichnende über die Lippen brächte, würde er dazu das Wort Wunder gebrauchen.

 

Jedenfalls, das ist schon auf den ersten Seiten kein Geheimnis, endet der Kongress in einer wundersamen Himmelfahrt aller Anwesenden. Bloss Elsheimer bleibt zurück im leeren Saal und sollte erst der Polizei und will jetzt sich selbst das spurlose Verschwinden von 33 Personen erklären.

Bis zu ihrem Abgang, oder besser ihrem Aufflug aber referieren die Gelehrten tagelang über Dantes berühmten Trip durch die Unterwelt, mit dem daselbst wohnenden römischen Dichter Vergil als Wanderleiter.

Und wir? Wir wandern lesend mit durch alle Stationen höllischer Foltermethoden, tief und immer tiefer tauchen wir in die Unterwelt, bis zum Mittelpunkt des Planeten, erklettern den Läuterungsberg, tauchen wieder an die Oberfläche in Down Under, Richtung Paradies.

Wobei wandern kein zutreffendes Wort ist. Die leichtfüssige, mal tanzende, mal taumelnde Sprache zwingt uns den Leserhythmus auf, saugt uns unmerklich ein in einen Wirbel, lässt grauslige Landschaften und gequälte Charaktere erscheinen und wieder verschwinden. Bis wir auf den letzten Seiten auftauchen aus diesem Höllenritt um dem angekündigten wundersamen Pfingstwunder vergnüglich staunend beizuwohnen.

Was nachklingt? Nicht gelesen, nein, erlebt zu haben. Einem LSD-Trip nicht unähnlich. Und die Idee, nun doch eine Ahnung von der «Divina Commedia» zu haben.