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Hanspeter empfiehlt:

 

Ulrich Becher
"Murmeljagd" 

 

Roman, ca. 700 Seiten, Taschenbuch
BTB Verlag, CHF 20.90
ISBN 978-3-442-74192-2

 

Der Autor:
Geboren 1910 in Berlin, aufgewachsen in großbürgerlichen Verhältnissen, verliess nach der nationalsozialistischen Machtübernahme Deutschland und wurde durch Heirat Österreicher. Sein Schwiegervater war der überaus populäre k. u. k. Kabarettist und Erfolgsschriftsteller Alexander Roda Roda, dem Becher mit der Figur des Konstantin Giaxa in der "Murmeljagd" ein Denkmal setzte. Knapp vor dem Einmarsch der Hitler-Truppen in Österreich folgte das junge Paar den Eltern in die Schweiz. Obwohl Ulrich Becher, der mütterlicherseits halber Eidgenosse war, wurde er als Flüchtling betrachtet und musste das Land 1941 verlassen. Auf abenteuerliche Weise verschlug es ihn für drei Jahre nach Brasilien, anschliessend nach New York. 1948 kam er nach Wien zurück, wo mit großem Erfolg seine mit dem Schauspieler Peter Preses geschriebene tragische Posse "Der Bockerer"; uraufgeführt wurde. 1969 erschien das lange aufgeschobene Romanprojekt „Murmeljagd“.

Synopsis:
Albert Trebla, Wiener Journalist und im Ersten Weltkrieg Jagdflieger, flieht im Frühjahr 1938 mit seiner Frau aus dem von deutschen Truppen besetzten Österreich ins Engadin. Aber für den Verfolgten gibt es in der vermeintlich freien Schweizer Bergwelt keine Zuflucht. Wo er auch hinkommt, wird er in äusserst merkwürdige Geschichten verstrickt. Der Anwalt Gaudenz de Colana und der Druckereibesitzer Zarli Zuan ertrinken. War es Mord, Unfall oder Selbstmord? Ein Soldat erschießt sich, nachdem er beinahe einen Vorgesetzten getötet hat. Ein zurückliegender Jagdunfall, bei dem der Wirt Men Clavadetscher die Hände im Spiel hat, sorgt zusätzlich für Verunsicherung. Zwei blonde Österreicher scheinen auf Trebla angesetzt
zu sein, um ihn zu liquidieren. Es gilt, ihnen zuvorzukommen und sich vom Gejagten zum Jäger zu wandeln.


„Wie aber nun die Murmeljagd beschreiben, ein Buch mit Ecken, Kanten, auch mit Schwächen, aber eine lebenslange Droge für den, der ihm einmal verfallen ist? Dieses Buch wie ein Raumschiff, in dem man Zeit und Raum verlassen kann und aufbrechen in wahnwitzige, urkomische und höchst bedrohliche Welten?


Die enorme, fast körperlich quälende Spannung bezieht der Roman aus dem Gegensatz von Ruhe und Sturm, von dörflichen Konflikten in der urigen Schweiz und der vor ihren Grenzen lostobenden Weltgeschichte. Schreckliche Nachrichten aus dem Spanischen Bürgerkrieg und dem Deutschen Reich dringen portionsweise in Treblas prekäre Idylle, der beste Freund im KZ ermordet, der Schwiegervater, ein europaweit berühmter Zirkusclown, verhaftet; Trebla hofft ebenso dringend auf neue Depeschen, wie er sie fürchten muss. Und vor allem verbirgt er, soviel er kann, vor seiner zurzeit seltsam abwesenden Xane.


Alle Sicherheiten sind aufgelöst und Treblas Tage im Exil werden zu einer Geisterbahnfahrt, bei der man nie weiß, was hinter der nächsten Kurve lauert: Nur ein weiterer makabrer Scherz des Schicksals oder wahres Verderben.

Als Erzähler gibt Ulrich Becher in diesem Buch den Wüstling, den wilden, ungezügelten Expressionisten, der weder Kitsch noch Kalauer scheut. Seine Sprache, assoziativ, sprunghaft, brachial komisch, durchsetzt von Fremdsprachen, Dialekten, Redensarten und Liedtexten und dazu extrem dialogisch (der Theaterautor!), ist nur auf den ersten paar Seiten gewöhnungsbedürftig, dann trägt sie den, der sich ihr überlässt, organisch weiter, plappernd, krächzend, zärtlich flüsternd, ein vielstimmiges Höllengelächter.“
(Eva Menasse in DIE WELT, 17.10.2009)


"Wissen Sie, Gnädige Frau, es hat wirklich gar keinen Sinn, sentimental zu sein." Mit diesem Satz beginnt der Roman. Er ist Programm.