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Hanspeter empfiehlt:

 

Szczepan Twardoch
"Der Boxer" 

 

Roman, ca. 460 Seiten, gebunden
Rowohlt Verlag, CHF 34.50
ISBN 978-3-7371-0008-3

Dem Buch vorgestellt ist ein Zitat aus Melvilles Moby Dick: „Wer ist denn kein Sklave“

Und es ergibt Sinn, den Roman unter dieser Frage zu lesen.


Die Geschichte spielt im jüdischen Warschau von 1937 und beginnt mit dem Satz:


„Meinen Vater hat ein gutaussehender Jude mit breiten Schultern und dem breiten Rücken eines makkabäischen Kämpfers getötet“.


Der das sagt, ist Mojzesz Bernstein, ein Junge von 17 Jahren, dessen Vater das wöchentliche Schutzgeld an die jüdische Mafia nicht mehr bezahlen konnte und folgerichtig von Jakub Shapiro gevierteilt wurde.
Jakub Shapiro, Boxer, Womaniser und liebender Vater zweier Kinder, ist die rechte Hand des Mafia-Paten Kaplica, welcher das jüdische Warschau mit kaltblütiger Liebe regiert. Shapiro adoptiert den Waisen Mojzesz Bernstein.
Dieser führt uns als erzählender Beobachter durch den Alltag von Jakub Shapiro. Ein Alltag, geprägt von gefühlskalter Brutalität, bedingungslosem Gehorsam, Alkohol, Bordellen und Blut.


Wir sind im Warschau einer noch jungen wiedererstandenen polnischen Republik, einem Warschau, zweigeteilt in eine polnische und eine jüdische Stadt.


„... zwei Warschaus....die in ihren zwei Welten lebten und bestenfalls Gleichgültigkeit füreinander hatten, schlimmstenfalls Hass, normalerweise aber einfach distanzierte Abneigung, als wohnten sie nicht Strasse an Strasse, sondern getrennt durch einen Ozean.“


Sie ist keine leichte Kost, diese äusserst genau recherchierte Geschichte um Machtkreise, sich konzentrische ausbreitende oder sich überlagernde, und ihre Gesetze und Reibungsflächen.
Aber es ist eine faszinierende Reise in diese eigengesetzliche Welt in der niemand frei, jeder und jede Sklave eines nächsten Sklaven ist und die Juden, wenn Opfer, dann die ihrer eigenen Mafia sind. Eine Welt, deren Untergang von Westen her bereits spürbar ist.


Erzählt wird die Geschichte des Jakub Shapiro in einer genauen Sprache mit manchmal wundersamen metaphorischen Einsprengseln.


Kein Buch, das man gelesen haben muss. Aber ein Buch, dass man nicht so schnell wieder vergisst.