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Hanspeter empfiehlt:

 

Ayelet Gundar-Goshen
"Die Lügnerin" 

 

Roman, ca. 350 Seiten, gebunden
Kein & Aber, CHF 33.00
ISBN 978-3-0369-5766-1

Die Autorin
Was der Klappentext zu erzählen weiss: 36 Jahre alt, studierte Psychologie, Film und Dre hbuch. Schreibt Kurzgeschichten, Drehbücher und dreht eigene Kurzfilme. „Die Lügnerin“ist der dritte von ihr erschienene Roman. Ihr Zweitwerk „Löwen wecken“ wird als TV-Serie verfilmt.


Die Geschichte
Das 17 jährige Mauerblümchen Nuphar, bar jeglichen Selbstvertrauens, katapultiert sich mit einer Lüge im richtigen Moment in’s erträumte Leben. Lavie, auch er siebzehn und neben sich stehend, erpresst sich durch das Decken dieser Lüge seine geheimsten Wünsche.
Avischai Milner, abgehalftertes, in die Jahre gekommenes Singsternchen und unter seiner Nichtmehrexistenz leidend, ist zugleich Auslöser und Opfer aller kommender Ereignisse. Dazu bevölkert diese Geschichte etliches für die Handlung notwendiges, oder einfach bunt verzierendes Personal, das mehrheitlich das Leiden der Protagonisten teilt: nicht zu sein, was man gerne wäre.


Das Leseerlebnis
„Am Ende des Sommers stand die Hitze noch immer vor den Haustüren, eingerollt in die Zeitungen und genauso unheilschwanger wie sie.“
Mit diesem ersten Satz schon, noch ahnungslos, in welcher Welt ich da landen werde, hat die Autorin mich bei der Hand genommen und in ihr Reich verführt. Ökonomisch gebaute Formulierungen, die, japanischen Tuschezeichnungen ähnlich, in wenigen Strichen Welten entstehen lassen und wie nebenbei federleicht folgenreiche Haken schlagen. Auch wenn man den Klappentext nicht gelesen hätte, der Vergleich mit einem Filmdrehbuch drängte sich auf.


Das Thema
Alle diese Geschichte bevölkernden Personen quält dasselbe Leiden. Sie sind nicht, was sie sein möchten. Noch nicht oder nicht mehr. Sie haben sich noch nicht gefunden, oder wieder verloren. Diese Sehnsucht nach dem eigentlichen Sein treibt sie und damit die überraschungsreiche Handlung an.
Der eindeutigen Protagonistin Nuphar folgend wird eine einfühlsame „Coming of age“ Geschichte erzählt. Ein Mädchen, das an der Inkongruenz seiner Eigenwahrnehmung und ihren Idolen verzweifelt.
Der ganzen, aus vielen Geschichtchen gewobenen Geschichte folgend wird das ewige Thema „Ich werde wahrgenommen, also bin ich“ in unterschiedlichen Varianten äusserst vergnüglich mit wunderbarem Humor abgehandelt. Und der Einsatz des nächstliegenden Mittels, das eigene kleine Dasein zu frisieren: Der Lüge.
Die letzten Seiten, die Auflösung der verwirrten Fäden allerdings fällt abrupt ab und schien mir beliebig. Was aber dem vorgängigen Lesevergnügen keinen Abbruch tut. Kurz ist das Ende und schmerzlos.
Das Problem aller Buch- oder Filmgeschichten. Sie haben kein Ende, aber brauchen eines. Ausser man produziert Serien.